Kategorie: Bücher

Leserückblick „Herbstfeuer: Eine Herbstlande-Novelle“

Schon wieder ein Herbstlande-Buch! 😅 Sie sind aber auch toll. Heute stelle ich von Fabienne Siegmund die Novelle Herbstfeuer vor.

Darin geht es um Hazel, die den Kürbiskönig und die Novemberhexe um einen Wunsch bitten will.

Die Geschichte spielt vor der Entstehung der Herbstlande. Ich fand es schön, die ersten Triebe der Herbstlande in dieser Geschichte zu entdecken. Obwohl sie noch nicht bestehen, erkennt man schon die ersten Züge, die die Herbstlande so einmalig machen. Die Novelle kann für sich gelesen werden und ist auch ein guter Einstieg in die Welt der Herbstlande. Dir muss jedoch klar sein, dass sich die Herbstlande in den folgenden Büchern enorm entwickelt haben und noch fantastischer sind. 😉

Hazel ist ein junges Mädchen. Sie weiß, was ihr wichtig ist, und ist bereit, dafür Risiken einzugehen. Ich finde, sie ist eine starke kleine Person, von der man etwas lernen kann. Auf ihrem Weg durch die noch nicht erwachte Welt der Herbstlande trifft sie auf Freunde und Feinde. Es ist nicht immer leicht, sie zu unterscheiden, und die Gefahr sitzt Hazel stets im Nacken. Trotzdem verhält sie sich großartig.

Tja, wer schon länger meine Beiträge liest, weiß, dass ich ein Fan von Fabienne Siegmund und ihrem Stil bin. Sie schafft es immer wieder, ein schweres Thema auf eine lockere Art zu verpacken. Man kann ihre Geschichten einfach runterlesen und genießen. Man kann sich jedoch auch länger mit ihnen beschäftigen und darin Abgründe des Lebens entdecken. Ich bin jedenfalls von Herbstfeuer begeistert und empfehle es gerne weiter.

Leserückblick „Die Sommerlande“

Gerade läuft es Schlag auf Schlag. Heute stelle ich dir Die Sommerlande von Alessandra Reß aud dem Verlag Torsten Low vor. Aufgrund der 171 Seiten zähle ich das Buch zu den Kurzromanen. Es scheint durch die Herbstlande inspiriert, spielt aber in den Sommerlanden, also Juni, Juli und August.

In der Geschichte geht es um den Mittsommeralb Nemiah, der am Sonnenwendenhof lebt und zum Gesang der Fliederzirpen mit den anderen Mittsommeralben jede Nacht tanzt. Doch nach einem heftigen Sturm sind die Fliederzirpen verstummt und alle Mittsommeralben bis auf Nemiah verlieren nach und nach den Antrieb, überhaupt nur aus dem Bett zu steigen. Nemiah begibt sich auf die Reise durch die Sommerlande, um den Fliederzirpen ihre Stimmen zurückzubringen.

Ich liebe die Besonderheiten des Herbsts, die in den Herbstlanden wundervoll eingewoben sind – der Nebel, leuchtend buntes Herbstlaub, die letzten warmen Herbsttage, der erste Frost, der im Sonnenschein glitzert, und die Stimmung, die der Herbst mit sich bringt. Die Sommerlande sind da das krasse Gegenteil. Die Sonne scheint grell und heiß. Wenn sich etwas verbirgt, dann nicht in den viel zu selten vorkommenden Schatten. Ich mag den Sommer aus den genannten Gründen und mag ihn genau deshalb auch wiederum nicht. Bis 24° C ist alles ok, aber alles darüber ist mir zu viel. Ich sehne mir ernsthaft die Sommer meiner Kindheit zurück, die so nett waren, mir die Sommerferien mit mindestens zwei Wochen Regen zu vermiesen. Damals hätte ich das tolle Wetter der letzten drei Jahre zu schätzen gewusst. Vermutlich hatte ich deshalb Schwierigkeiten, den Zugang zu den Sommerlanden zu finden. Trotzdem finde ich die Idee hinter den Sommerlanden toll.

Natürlich kann es keine Sommerlande ohne verrückte Bewohner geben. Sirin, das Sternenvolk, Nekuroi, Aswang, Naga, Goldechsen und Satyroi sind nur einige davon. Sie sind so unterschiedlich wie ihre Namen und die Autorin hat es geschafft, dass ich bei manchen dieser Figuren unsicher war, wie ehrlich bzw. gut sie es mit Nemiah meinen. Ich fand die einzelnen Charaktere oft sehr zwielichtig, was aber in schönem Kontrast zum Sommer und der Sonne, die alles aufdeckt, steht. Das machte es für mich besonders spannend, zu verfolgen, wie sich die Geschichte entwickelte.

Den Schreibstil empfand ich als gut zu lesen, weshalb ich das Buch innerhalb einer Woche durch hatte. Die Geschichte war spannend erzählt, sodass es Spaß machte, die Seiten umzublättern und in der Geschichte zu bleiben.

Insgesamt denke ich, dass ich mich an die neue Welt der Sommerlande noch gewöhnen muss. Trotzdem fand ich diesen Roman unterhaltsam und kurzweilig und empfehle ihn gerne weiter.

Leserückblick „Das Nebelreich“

Es folgt auch schon der nächste Leserückblick. Bei diesem schmalen, 117 Seiten umfassenden Bändchen von Anja Bagus fiel es mir leicht, die Geschichte zu verschlingen.

In dem Buch geht es um die Holmili Jeris und den Nebling Ferun. Ihre beiden Völker befinden sich im Krieg. Bei einem Unfall landet Jeris im unterirdischen Reich der Neblinge und verliert dabei ihre Flügel aus Eis. Sie lernt Ferun kennen, der ganz anders ist als in ihrer Vorstellung. Gemeinsam kommen sie einem Geheimnis auf die Spur, das ihre beiden Reiche in Gefahr bringen könnte.

Ich liebe ja Wortschöpfungen wie Nebelreich, Eismoor, Nebelstein und Nebelparder. Sie bringen meine Fantasie zum Glühen und meine Kreativität zum Seufzen, weil ich auch so fantasievolle Geschichten schreiben möchte. Von ihnen gibt es einige in diesem Buch, die mein Herz höher schlagen ließen. Allein deshalb war es wirklich schade, dass es sich nur um eine Novelle handelt, die für ihre Kürze bekannt ist.

Die Vorstellung einer Fee mit Flügeln aus Eis hat mich direkt gepackt. Die Flügel müssen wunderschön aussehen! Zugleich sind damit auch Gefahren verbunden. Ein Holmili kann sich nicht in wärmeren Bereichen aufhalten, weil das Eis unweigerlich schmelzen würde. Außerdem ist das dünne Eis auch sehr zerbrechlich. Allein die Flügel bieten viel Potential für Konflikte in der Geschichte, das die Autorin meiner Meinung nach auch toll ausgeschöpft hat. Den fröhlichen Holmili stehen die ernsten und gefühlskalten Neblinge gegenüber. Ihre Haut ist dunkel, von dunkelgrau bis schwarz. Aber nicht alle Neblinge sind vollkommen gefühllos. Ferun gehört zu den wenigen, die durchaus Gefühle empfinden können, und er zeigt sie über seine Augen, die je nach Stimmung in einer anderen Farbe leuchten. Das dürfte das Lügen deutlich erschweren, weshalb mir diese Eigenschaft sehr gefällt. Außerdem können Neblinge eine Lichtkugel erzeugen, was eine sehr praktische Fähigkeit ist, wenn man unter der Erde lebt. Zusammengefasst dürfte klar sein, dass Jeris und Ferun ein sehr ungleiches Gespann sind, das sich toll ergänzt.

Der Schreibstil der Autorin ließ sich flüssig lesen und unterstützte die zeitweise düstere Stimmung. Sie schaffte es, die Spannung selbst in ruhigeren Szenen hoch zu halten. Nun ja, es muss einen Grund haben, weshalb ich nach so langer Zeit, in der ich mich eher durch die Bücher quälte, ein Buch innerhalb von zwei Tagen verschlang. Das liegt definitiv am Schreibstil und der Geschichte an sich, die mich mitrissen.

Zur Geschichte selbst will ich nicht mehr verraten, als ich bereits geschrieben habe, weil ich niemandem die Spannung verderben will. Finde selbst heraus, weshalb ich das Buch so toll finde. Du brauchst dazu keine Vorkenntnisse, obwohl es bereits mehrere Bücher und Anthologien gibt, die in den Herbstlanden spielen. Jedes Buch zu dieser Welt, das ich bisher gelesen habe, kann für sich allein stehen. Aber ich warne dich. Diese Bücher bergen ein Suchtpotential in sich, das man gerne unterschätzt. Fängst du mit einem an, wirst du die anderen Herbstlandebücher auch lesen wollen.

Doppelt gemoppelt beim Skoutz-Award

Wie cool ist das denn?! Dieses Jahr kann ich mich über gleich zwei Nominierungen für die Longlist des Skoutz-Awards freuen. Sowohl die Anthologie The D-Files: Die Drachen Akten vom Talawah Verlag als auch meine Novelle Hexenmeister Jakob Wolff – Die Teufelshand, die beim Leseratten Verlag erschienen ist, haben es auf die Longlist geschafft! Wahnsinn! Ok, bei der Anthologie überrascht es mich nicht. Es ist nicht das erste Mal und The A-Files: Die Amazonen Akten hatten die Kathegorie Anthologie letztes Jahr gerockt. Aber dass jemand meinen Erstling nominiert hat, ist für mich eine riesige Überraschung.

Jetzt ist es wichtig, zu wissen, wie es weitergeht. Am 25. April wird die Midlist verkündet, auf der die Favoriten des jeweils zuständigen Jurors stehen. Ist ja nicht mehr so lange hin bis dahin. Mir stellt sich natürlich die Frage, ob es für die Midlist reicht. An der Drachenanthologie zweifle ich nicht. Die muss es auf die Midlist schaffen. Aber an meinem Erstling zweifle ich. Es muss mit dem Buch Hexenmeister Jakob Wolff – Düsteres London meiner Kollegin Regine D. Ritter und vielen anderen tollen Büchern konkurrieren. Ich hoffe das Beste, aber auf jeden Fall soll ein Hexenmeister Jakob Wolff-Buch es auf die Midlist schaffen. Drück also bitte die Daumen!

Leserückblick „Der Tuchhändler“

Gestern las ich den Mittelalterkrimi von Richard Dübell fertig. Auf 469 Seiten habe ich den landshuter Kaufmann Peter Bernward bei der Suche nach dem Mörder einer polnischen Prinzessin begleitet und die altertümliche Sprache genossen. Nach heutigem Stand hätte ein Lektor einiges zu arbeiten gehabt, aber in den 90er Jahren, als das Buch erschien, war es wohl auf dem neuesten Stand.

In der Geschichte kamen viele Personen vor. Ich hatte etwas Probleme, ihnen immer gleich ihre Position in der Geschichte zuzuordnen, weil ich mir Namen nicht gut merken kann. Das machte die Geschichte für mich zugleich auch glaubhafter, weil Landshut schon damals eine große Stadt war. Die wichtigsten Figuren konnte ich mir gut merken. Sie hatten ihre Eigenheiten, sodass ich sie direkt erkannte.

Der Schreibstil ist altbacken, aber das empfand ich nicht als schlecht, zumal der Roman im späten Mittelalter spielt. Meine Version des Buchs stammt von 2001, wobei ich das Gefühl hatte, dass einfach die alte Version gedruckt wurde – mit alter Rechtschreibung und Rechtschreibfehlern. Ich weiß nicht, ob das in der Verlagswelt so üblich ist, eine Auflage unkontrolliert und nicht an die aktuelle Rechtschreibung angepasst zu drucken. Ich habe es so hingenommen. Jedenfalls fand ich es schön, wie sich dieser Krimi langsam aufbaute und der Autor auch öfter mal nach links und rechts schaute. Letztlich hatten auch diese belanglos wirkenden Ausblicke ihre Berechtigung, um den Mordfall zu klären. Ich war mir jedenfalls im letzten Viertel fast sicher, wer der Mörder ist, und ich hatte sogar recht. Das kommt selten vor. Meistens bin ich vollkommen ahnungslos. Das erfüllte mich natürlich mit Stolz und ermittlerischer Befriedigung.

Ich habe mich mit dem Buch sehr wohl gefühlt. Ab und zu darf es ein solcher Schmöker gerne bei mir sein, der nicht nach den aktuell herrschenden Konventionen mit viel Tempo geschrieben ist.

Leserückblick: „Feuerkuss und Flammenseele“ von Eileen Raven Scott

Ich hatte erneut Losglück auf LovelyBooks, sodass ich von meiner Kollegin Eileen Raven Scott ihr Buch Feuerkuss und Flammenseele lesen konnte. Darin sind zwei Geschichten enthalten – Feuerküsse und Flammenseele.

Feuerküsse ist eher eine Kurzgeschichte oder eine Novelle, in der es um die Liebe zwischen Aruni, einer Feuerdämonin, und dem Wasserelfen Ilvio geht. Die beiden haben es nicht leicht, da die Dämonen stur der Meinung sind, dass Dämonen sich nicht mit anderen Wesen mischen dürfen.

Ich mag die Figuren. Aruni und Ilvio sind so sehr ineinander verliebt, dass ich Wasserdampf in Herzform vor Augen hatte. Arunis Bruder Lierd spielt dagegen den Antagonisten, was ihm sehr leicht fällt. Er überzeugt in der Rolle wunderbar, was vermutlich an seiner dämonischen Natur liegt. Arunis Katze Ash sorgt für einen schönen Überraschungsmoment. Ich liebe Katzen sowieso, sodass Ash einen besonderen Platz in meinem Herzen gefunden hat.

Die Geschichte wird rasant erzählt. Da merkt man den Kurzgeschichtencharakter, obwohl sie immerhin gute hundert Seiten lang ist. Ich jagte beim Lesen regelrecht über die Wörter. Obwohl es eher eine Liebesgeschichte ist, ist sie unheimlich spannend. Das Ende hat mir besonders gut gefallen, weil der Zwist auf unerwartete Weise gelöst wurde. Eine herrliche Abwechslung zum sonstigen Köpfe einschlagen mit einer wunderschönen Botschaft.

Feuerküsse ist die Vorgeschichte zu Flammenseele. Prinzipiell kann man Flammenseele auch ohne Feuerküsse lesen, aber ich finde es praktisch, dass man in dem Buch beide Geschichten zusammen bekommt.

In Flammenseele steht die Liebe zwischen Ash und Lierd im Fokus, die aus unterschiedlichen Gründen nicht sein darf. Deshalb verlässt Ash ihr Zuhause und Lierd, nur um in die Fänge eines ziemlich miesen Gestaltwandlers zu geraten, vor dem sie einst geflüchtet ist. Muss ich erwähnen, dass dieser Gestaltwandler ihre damalige Flucht unlustig fand?

Diese Geschichte ist als Roman konzipiert. Entsprechend entwickeln sich die Charaktere und die Geschichte langsamer. Nach der rasanten Vorgeschichte konnte ich hier erst einmal zu Atem kommen. Lange blieb das nicht so. Dann verfolgte ich atemlos, was Ash und Lierd zustößt. Ihr Gegenspieler ist aber auch wirklich unbesiegbar.

Nachdem ich in letzter Zeit leider viel zu wenig lese und dann auch nur langsam, habe ich das letzte Drittel des Bands in einem Rutsch gelesen. Ich wollte endlich wissen, wie die Geschichte endet. Es hat mir sehr gut gefallen, dass es auch hier eine überraschende Auflösung des Konflikts gibt. Das passt zum ersten Band.

Ich bin froh, bei der Leserunde mitgemacht zu haben. Eileen Raven Scott hat da zwei wirklich schöne Geschichten geschrieben, die ich gerne weiterempfehle – auch an Menschen, die im ersten Moment wenig mit Gestaltwandlern und Dämonen anfangen können.

Leserückblick: Die Reise der Spira von Knossos: Eine junge Frau findet ihren Weg in der Welt der Minoer

Ich hatte das Glück, an der Leserunde zu diesem Buch teilnehmen zu dürfen. Das Cover mutete gleich griechisch an, was mich anzog. Der Klappentext bestätigte meine Vermutung. Dass die Hauptfigur Spira eine Priesterinnenausbildung absolvieren will, war das Tüpfelchen auf dem i, weswegen ich mich um ein Rezensionsexemplar bewarb.

Im Roman geht es um Spira, die Priesterin werden will. Das wird ihr verwehrt, weil ihr Vater von einer diplomatischen Mission nicht zurückkehrt. Das bedeutet, dass die Familie nicht genügend Geld für die Ausbildung hat und zur Familie der Mutter ziehen muss. Spira will diesen Schicksalsschlag nicht hinnehmen und ist bereit, für ihre Ausbildung zu arbeiten. Sie wird von einem Kapitän angeheuert und erlebt einige atemberaubende Abenteuer.

Dieses Buch macht es mir nicht leicht, es zu rezensieren und ihm dabei gerecht zu werden. Es erschien im Selbstverlag und obwohl der Autor augenscheinlich professionelle Hilfe für Lektorat und Korrektorat in Anspruch nahm, habe ich grobe Schnitzer entdeckt, die nicht hätten passieren dürfen. Selbst wenn ich der Lektorin zugutehalte, dass sie der Geschichte den altertümlichen Ton nicht nehmen wollte, hätten ein paar modernere Aspekte der schriftstellerischen Handwerkskunst sicher nicht geschadet.

So besitzen die Figuren ihre Ecken und Kanten, was ich super finde. Da hat der Autor sich viel Mühe gegeben. Allerdings kommen diese Aspekte kaum zum Tragen, weil die Geschichte rein handlungsgesteuert ist. Als Leserin blieben mir die Gefühle und Gedanken der Figuren überwiegend verborgen. Das ist schade, weil beides die Konflikte im Roman vertieft und für noch mehr Spannung gesorgt hätte.

Die Beschreibungen der Figuren und Orte fällt dürftig aus. Der Autor beschränkte sich auf wenige Merkmale, die direkt ins Auge springen. So humpelt der Kapitän oder es wird nur von einem Mädchen mit Zöpfen gesprochen, was auf mehrere Nebenfiguren zutrifft. Gerade in einer Szene am Anfang war es mir unmöglich, die miteinander sich unterhaltenden beiden Brüder auseinanderzuhalten. Ich hatte kein Gesicht zu ihnen und der Schreibstil half nicht, um zu erkennen, welcher Bruder welche Meinung vertrat. Dadurch wirken die Figuren teilweise eher oberflächlich.

An sich ist der Schreibstil flüssig zu lesen. Man merkt ihm jedoch an, dass es sich bei diesem Buch um ein Erstling handelt. Die Handlung wird abgehandelt, die Figuren bleiben auf der Strecke. Dadurch entsteht ein hohes Tempo innerhalb der Geschichte. Das sorgt für Spannung, aber ab und zu will man als Leser auch verweilen und sehen, was geschieht, oder einfach einmal Luft holen.

Irritierend war, dass das PDF auf meinem Kindle nicht ordentlich angezeigt wurde. Endete ein Kapitel mitten auf einer Seite, rechnete mein Kindle die Schrift hoch, damit der Text trotzdem eine ganze Seite füllte. Da ich Ähnliches bei PDFs, die ich selbst erstelle und an meinen Kindle sende, nie erlebt habe, muss da ein Fehler unterlaufen sein. Welchen, kann ich nicht nachvollziehen, da ich mich mit dieser Materie nicht auskenne. Ich fände es jedoch interessant, ob diese Problematik auch bei anderen Readern mit dem epub-Format des Buchs auftauchte.

Trotz der Mängel habe ich das Buch genossen. Die Idee, die dahintersteckt, gefällt mir und mir ist bewusst, dass ich als Autorin strenger bewerte als früher, als ich noch eine reine Leseratte war. Das liegt jedoch daran, dass ich davon überzeugt bin, dass das Buch mit einem anderen Lektor oder auch einfach mehr Zeit und dem Willen zum Lernen dieses Handwerks deutlich gewonnen hätte. Beim nächsten Buch wird alles anders. 😉 Ich danke jedenfalls dem Autor für die Chance, sein Werk kennenlernen und bewerten zu dürfen. Ich hatte Freude an dem Buch und empfehle es auch gerne unter Berücksichtigung mancher Makel weiter.

Leserückblick: In Samhains Schatten

Pünktlich im Oktober habe ich mit dem Buch angefangen, in dem es sich um Halloween und Samhain dreht. Da hat mein Lesetiming genau gepasst, wobei es fast schade ist, dass ich das Buch nicht erst Ende Oktober begonnen habe. Dann wäre die Stimmung noch besser unterstrichen worden. Aber jetzt bin ich für Halloween bereit. Ob wohl ein paar Kinder trotz Corona von Haus zu Haus ziehen werden?

Neunzehn Geschichten, mal gruselig, schaurig-schön oder wie ein Licht in der Dunkelheit, erzählen von der unheimlichsten Nacht des Jahres. Beim geschnitzten Kürbisgesicht, ab und zu überlief es mich! Und dann gab es den ein oder anderen Moment zum Grinsen und Schmunzeln oder sogar zum wohligen Aufseufzen. Es hat einen Grund, weshalb ich Anthologien stets mit Pralinenschachteln vergleiche. Es ist für jeden etwas dabei, aber ich würde dieses Buch definitiv niemandem mit schwachen Nerven empfehlen. Dafür sind manche Geschichten doch zu heftig. Nichts für Kinder, auch wenn das Cover eher niedlich anmutet.

Ich bin begeistert, wie abwechslungsreich die Geschichten sind. Von diversen Dämonen über Vampire bis zum simplen Geist ist alles dabei. Die Länge der einzelnen Geschichten ist ideal, um vorm Schlafengehen ein paar Minuten zu „entspannen“. 😈 Womöglich liest man dann auch lieber weiter, statt sich der Dunkelheit und seinen Träumen zu stellen, sofern man denn einschlafen kann. 🎃

Ich habe das Buch verschlungen und bin stolz, es mit meiner Kurzgeschichte Der Kürbisgeist in diese wunderbare Anthologie geschafft zu haben. Damit bin ich mit vielen tollen Autoren zwischen zwei genial gestalteten Buchdeckeln verewigt. Wenn du dich gerne gruselst oder Halloween bzw. Samhain näher kennenlernen willst oder sowieso auf dieses Fest stehst, solltest du zugreifen. Hier wirst du nicht enttäuscht. Da bin ich sicher.

Leserückblick: Jakob Wolff – Düsteres London

Ich hatte das Glück, die Novelle Jakob Wolff – Düsteres London (erschienen im Leseratten Verlag) von Regine D. Ritter bei der Leserunde auf Lovelybooks zu gewinnen. Ich hatte es bereits auf dem Schirm und hätte es mir sowieso irgendwann gekauft, weil mich die Idee hinter der Geschichte sehr interessierte. Bisher hatte ich zwar schon von Jack the Ripper gehört, aber ich wusste kaum etwas über ihn. Da die Autorin möglichst nahe an der Realität blieb, bin ich jetzt um einiges klüger, obwohl man bis heute über manche Details unsicher ist.

Inhalt:
Der Hexenmeister Jakob Wolff lebt mittlerweile in London und führt dort einen Teeladen. Lilo ist mit dem Inhaber des Franchiseunternehmens verheiratet. Alles wäre wunderbar, wenn nicht plötzlich bestialische Morde an Huren begangen würden.

Der Schreibstil der Autorin ist super. Er ließ sich flüssig lesen und ihre Beschreibungen waren dazu imstande, mich in das London dieser Zeit zu katapultieren. Ich sah die schmalen, dunklen Gassen von White Chapel geradezu vor mir. Da sie in der Leserunde zusätzliche Infos, die zum jeweiligen Kapitel interessant waren, und auch auf Facebook Bilder von ihren Recherchen zum Roman mit weiteren Infos streute, hatte ich eine Vorstellung davon, wie es damals wirklich ausgesehen hat. Da es sich hier um einen historischen Fantasykrimi (So würde ich die Geschichte jedenfalls einordnen.) handelt, musste sie auch spannend schreiben. Das ist ihr sehr gut gelungen. Ich hätte die Geschichte an einem Tag lesen können, wenn ich dazu die Zeit gehabt hätte.

Jakob Wolff und Lilo sind die bekannten Figuren aus der Serie. Da diese vorgegeben sind, ist es nicht immer so einfach, ihren Charakter zu treffen, aber ich fand, dass das gelungen ist. Den Zeitungsjungen mochte ich sofort. Er ist ein ganz lieber Junge, hilfsbereit und ehrlich. Es kommt auch eine ältere Hure vor, die ich direkt in mein Herz schloss. Obwohl sie wie eine gescheiterte Person rüberkommt, weiß sie, worauf es im Leben ankommt. Sie betont zwar mehrfach, dass sie nicht die klügste Frau ist, aber sie zieht Schlüsse, die Jakob mehrmals weiterhelfen. Zudem ist sie sich nicht zu schade, sich im übertragenen Sinn die Hände schmutzig zu machen. Über sie hätte ich sehr gerne mehr gelesen.

Ich kann nur sagen, dass mir diese Geschichte sehr gefallen hat. Sie war spannend, logisch und mitreißend. Ich empfehle sie mit gutem Gewissen weiter an jeden, der Krimis oder historische Geschichten mag.

Leserückblick: Die Töchter von Ilian

Seit Anfang Mai gab es keinen Leserückblick mehr. Das lag nicht daran, dass ich nicht gelesen hätte. Ich brauchte schlichtweg vier Monate, um dieses Buch zu lesen. Zu den Gründen komme ich noch.

Letztes Jahr auf der Buchmesse – und das fühlt sich noch länger an, als es tatsächlich her ist – konnte ich Jenny-Mai Nuyens Lesung aus ihrem Roman Die Töchter von Ilian (ISBN: 978-3-596-29997-3, FISCHER Tor Verlag) besuchen. Mir gefiel, was ich hörte, sodass ich mir das Buch zum Geburtstag – fast ein Jahr später – schenken ließ. Darin geht es um eine Weissagung, laut der die verlorengegangenen, magischen Artefakte – die vier Iliaden – eines Tages wieder bei den Waldelfen vereint werden sollen, sodass das Reich Ilian wieder aufersteht. Der Waldelf Fayanu ist dazu ausersehen und Walgreta, eine Zwergin, soll ihm dabei helfen.

Von der Autorin habe ich schon zwei Romane gelesen. Die Geschichten von ihr sind fantasievoll und vom Handwerk her tadellos. Ich sehe Bilder, ich erkenne das Show darin, es lässt sich flüssig lesen. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten, teilweise nur zwei Seiten lang, und werden von Absätzen unterteilt, wenn sie doch mal länger werden. Ideal, um schnell fünf Minuten zwischen zwei Aufgaben zu lesen, und sicher auch förderlich, um weiterzulesen, „weil man die zwei Seiten auch ruhig noch lesen kann, ach, und die drei auch, ja, und die vier gehen auch noch …“

Ich mochte die Figuren, obwohl es so viele sind, dass ich anfangs ernsthafte Probleme hatte, sie auseinanderzuhalten. Dabei hatte ich mehr Probleme, die Männer auseinander zu halten als die Frauen. Ein Blick ins Figurenregister sagt mir aber, dass es eine gute Mischung ist – 16 Frauen und 19 Männer, wenn ich mich nicht verzählt habe. Liegt vielleicht daran, dass es mehr männliche Perspektivträger gibt als weibliche, wobei es trotzdem ungefähr 50:50 aufgeteilt ist.

Das Buch ist etwas Besonderes, weil die Zwergin Walgreta von ihrem Verhalten her bisexuell zu sein scheint, während Fayanu eine Frau ist, die sich als Mann kleidet und auch so benimmt. Von Fayanu wird im Roman auch konsequent als er gesprochen. Außerdem ist er lesbisch. (Nagelt mich da nicht so fest, weil ich wenig Erfahrung mit dem Regenbogen und den korrekten Bezeichnungen habe. Ich bemühe mich zwar, mich weiterzubilden, aber das braucht gleich zwei Mal Zeit – zum Lesen und zum Merken.) Mir hat es richtig gut gefallen, dass diese zwei Hauptfiguren anders sind als das, was für mich normal ist. Die Autorin hat es echt klasse hinbekommen, dass diese Andersartigkeit total natürlich rüberkam. Da war kein Scheinwerferlicht auf die Beiden gerichtet, keine Leuchtreklame mit blinkenden Pfeilen auf sie, dass sie anders sind. Nö, sie verliebten sich ineinander und ich durfte sie dabei begleiten. Absolut unaufgeregt. Vermutlich, weil die Autorin keine Worte wie bisexuell, lesbisch etc. nutzte. Kein Vergleich zur Steinblüte, in der der gesamte Regenbogen gequetscht zu sein schien und mir deshalb nicht so zusagte.

Beim Lesen wurde mir sehr schnell klar, welche Ziele die einzelnen Figuren haben, oder ich vermutete, dass die vorgegebenen Ziele nicht unbedingt der Wahrheit entsprachen. Da gab es doch einige kleinere und größere Intrigen. Das machte es spannend und viele Handlungen, über die ich sonst den Kopf geschüttelt hätte, nachvollziehbar.

Die vier Iliaden – der blickende Becher, die flüsternde Flöte, die Sternenscheibe und das Kupferkleid – sind mächtige Artefakte, mit denen man in die Verganenheit sehen, die Tiere beherrschen, die Zukunft erkennen und über Menschen, Zwerge und Elfen herrschen kann. Sie sind mit viel Liebe zum Detail beschrieben. Ich mochte die Vorstellung, dass ihre Zauberkraft wächst, wenn man sie in Liebe und Vertrauen an jemanden verschenkt, dass sie ihre Kräfte langsam verlieren, wenn man sie zu lange behält, und dass sie ihre Macht vollständig verlieren, sollte man sie gewaltsam an sich bringen. Letzteres lässt sich rückgängig machen, wenn sie wieder verschenkt werden, und je länger die Kette des Schenkens ist, umso mächtiger ist das Artefakt. Diese vier Gegenstände können das Fundament eines friedlichen Beisammenseins sein. Es erfordert nur Vertrauen und Liebe. Wäre toll, wenn es das in der Realität gäbe, aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht daran, dass wir dazu fähig wären, der Bestimmung der Iliaden zu folgen und sie zu verschenken.

Ich fand auch die Welt toll. Sowohl vorne als auch hinten findet man die Karte der Welt. Die ist schön gestaltet und ich habe sie als Inspiration für einen meiner Romane für später abgeknipst. Die Landschaft wird von den Legenden der Völker gestaltet. So stammen die Zwerge von den Riesen ab, die in einem Krieg starben. Aber die letzte Riesin gebar vorher noch das Zwergenvolk und die Zwerge haben ihren versteinerten Leib zu ihrer Heimat gemacht. Tunnel durchziehen das Gebirge, das aus dem Körper der Riesin entstanden sein soll. Es gibt den sogenannten Wirbelweg, der wie eine Wirbelsäule aussieht und sich quer durch das Land zieht. Die abgeschirmte Welt der Waldelfen ist ein wahrgewordener Traum. Versteinerte Bäume, deren Wurzelwerk bläulich leuchten und in denen die Elfen wohnen. Unterjochte Lindwürmer, die das Wasser Ilians vom Rest der Welt trennen. Auf denen man fliegen kann und aus deren abgestreifter Haut die Waldelfen ihre Kleidung herstellen. Fantastisch.

Ich fing Anfang Mai damit an, den Roman zu lesen. Ich hatte wenig Zeit und aus einem mir unerfindlichen Grund wurde ich mit der Geschichte auch nicht richtig warm, sodass ich gleich doppelt Probleme hatte, voranzukommen. Als ich als junge Erwachsene die anderen beiden Romane der Autorin las, dachte ich, ich sei vielleicht noch nicht reif genug für ihre Geschichten, aber mit mittlerweile 35 Jahren glaube ich nicht mehr daran. Es ist unheimlich schade, aber ihre Bücher locken mich nicht so sehr, wie es die anderer Autoren tun. Da liegen wir wohl einfach nicht auf einer Wellenlänge, obwohl ich ihre Ideen toll finde, wie man am Loblied weiter oben erkennen kann. Es fehlt der letzte Funke. Es tut mir in der Seele weh, aber ich werde zukünftig keine ihrer Bücher mehr kaufen. Aber dir möchte ich raten, für dich zu prüfen, ob der Roman nicht einen Versuch wert wäre. Gerade weil er so viele tolle Aspekte hat, würde ich mich unheimlich freuen, wenn er noch einige Leser findet, die ihn lieben.