Noch vor ein paar Jahren hätte ich darauf Ja, aber man kann auch Glück haben geantwortet. Dabei hätte ich an die Erfolge von Stephen King und J. K. Rowling gedacht, bei denen es nicht bei einer einzelnen Veröffentlichung blieb. Gerade bei letzterer erlebte ich mit, wie sie bei ihrem ersten Harry Potter als Glückskind gefeiert wurde. Erst später hörte ich, wie lange sie an diesem ersten Band gearbeitet und wie viele Absagen sie dafür kassiert hatte, ehe ihr ein Verlag eine Chance gab. Nur weil sie am Ball blieb, den Roman immer wieder umarbeitete und erneut verschickte, konnte sie so erfolgreich sein, wie sie es heute ist. Und Stephen King wäre ein ganz schlechtes Beispiel, da er täglich viele Stunden schreibt.
Natürlich gehört auch eine Prise Glück dazu, um den ersten Erfolg zu erreichen. Dass z. B. der Roman auf dem Stapel des Lektors fällt, der solche Geschichten mag. Aber den nächsten muss man sich erarbeiten. Man ist bereits für seine Fähigkeiten bekannt, aber wenn man nachlässt, wird der aufsteigende Stern schnell wieder sinken und in Vergessenheit geraten. Hier kommt die Disziplin ins Spiel. Einen einzelnen Erfolg kann man dem Glück zuschreiben. Viele aufeinander folgende Erfolge entstammen meiner Meinung nach der Disziplin, weil man an sich arbeitet und alles gibt, was man zum jeweiligen Zeitpunkt geben kann.
Ich bin mit meinen Kurzgeschichten bereits recht erfolgreich, wenn auch in einem kleinen Universum. Das liegt nur zum Teil an Glück und Talent. Dass ich so regelmäßig veröffentlichen darf, stammt auch daher, dass ich möglichst an jedem Werktag dafür arbeite. Ich suche nach Ausschreibungen, zu denen mir spontan eine Idee oder sogar eine grobe Geschichte einfällt und die mich reizen. Ich schreibe, überarbeite und sende ein.
Dabei spielt auch mein Output eine Rolle. Allein mit Abgabetermin für dieses Jahr habe ich zwölf Ausschreibungen ausgesucht. Es gibt keine Garantie, dass meine Geschichten genommen werden. Ich greife mit einem Thema auch mal daneben. Dann hat ein anderer das Thema ebenfalls gewählt und spannender umgesetzt oder mein Thema passt generell nicht so gut oder meine Geschichte wird aussortiert, weil andere besser sind. Aber bei zwölf Kurzgeschichten für dieses Jahr ist die Wahrscheinlichkeit, für ein paar Anthologien ausgewählt zu werden, recht hoch. Ich stapel gerne tief und rechne mit drei bis vier Zusagen. Zwei davon habe ich bereits erhalten. Auf drei weitere folgte eine Absage. Bei zwei Ausschreibungen ist die Abgabefrist verstrichen. Da erwarte ich also in den nächsten Wochen eine Rückmeldung. Und bei den übrigen fünf Kurzgeschichten muss ich zwei noch beenden, wobei bei allen die Abgabefrist noch in der Zukunft liegt, sodass ich da auf die Rückmeldung werde länger warten müssen.
Das hier ist meine Disziplin. Ständig schreiben, sowohl für Ausschreibungen als auch für meine persönlichen Romanideen. Viel überarbeiten. Da kenne ich meine Schwachstellen und gehe darauf besonders ein, sodass ich mittlerweile auch bessere Ergebnisse erziele. Und natürlich muss ich die Geschichten einschicken. Immer wieder. Sobald ich mich auf meinen Lorbeeren ausruhe oder aufgebe, endet auch mein Erfolg. Das ist mir klar und ich werde mein Bestes geben, um einen Misserfolg aus Disziplinlosigkeit zu vermeiden.



