Zitat der Woche (KW 40/2020)

Ich finde es toll, dass dieser Spruch von einem Schriftsteller stammt. Obwohl er mit vierzehn Romanen bzw. Erzählungen, sieben Theaterstücken und acht Filmen wohl zu den erfolgreicheren Autoren seiner Zeit zählen dürfte, zeugt dieses Zitat von einer gewissen Bodenständigkeit und sogar einer Portion Humor oder Sarkasmus. Wer würde sich oder andere sonst als Zwerg titulieren?

Tatsächlich spricht er mir mit dieser Aussage aus der Seele. Ein wenig Bescheidenheit schadet niemandem. Nicht die falsche Bescheidenheit, die den Gegenüber dazu verleitet, noch einmal zu betonen, wie groß die Leistung sei, sondern die, die vom Bewusstsein herkommt, dass man selbst nur ein kleines Rädchen in einem großen Uhrwerk ist, egal, ob man gerade hunderten Menschen das Leben gerettet oder nur eine beliebte Geschichte geschrieben hat. Niemand sollte bei allem Lob und Ruhm vergessen, dass er ein Mensch ist und dass Menschen fehlerhaft sind. Ich kann heute einen Orden für besondere Dienste erhalten und morgen aus Unachtsamkeit oder Unwissen einen Fehler von solcher Tragweite begehen, dass er mich ins Gefängnis bringt. Diese Lehre bete ich mir fast jeden Tag vor, um mir selbst zu garantieren, dass ich die Person bleibe, die ich bin und von der ich denke, dass sie so ganz gut ist.

Die Amazonen fordern den Sieg

Endlich beginnt die letzte Runde! Von heute bis zum 10. Oktober können wir unsere Favoriten wählen. Vergib auch du deine Stimme auf der Homepage des Skoutz Awards und verhilf den Amazonen zum Sieg!

(Ich will ja nichts sagen, aber sie wetzen bereits ihre Klingen für den Fall, dass sie verlieren sollten. Eine Niederlage kommt für die stolzen Damen natürlich nicht in Frage, und ich muss gestehen, dass sie mir Respekt einflößen. Ich glaube, ich geh besser schnell meine Stimme abgeben …)

(Die tolle Grafik stammt übrigens wieder von Sophie Grossalber. Danke, dass wir sie nutzen dürfen!)

Samhain wirft seine Schatten voraus

Ist das Cover nicht toll geworden? Ich bin total begeistert! Dabei ist es schon eine eigene Geschichte wert, wie ich zu den beiden Büchern kam. 😄

Gestern klingelte es. Als ich öffnete, war niemand da. 🤔 Ich dachte schon, dass unsere Klingel spinnen würde, trat aber dennoch einen Schritt aus der Tür heraus, um zu schauen, ob nicht doch noch jemand gerade um die Ecke verschwindet. Da war niemand, aber ich entdeckte dabei ein Päckchen, das fast aus dem Briefkasten fiel. Es war eigentlich zu groß für die Öffnung und ich vermute, dass der Briefträger geklingelt hat, um mich darauf aufmerksam zu machen. Ich war verwirrt, weil wir meines Wissens nach nichts bestellt hatten. Die Verwirrung steigerte sich, als ich darauf meinen Namen las. ICH hatte definitiv nichts bestellt. 🤨 Wieder drinnen öffnete ich das Päckchen und zog diese beiden Bücher hervor. Meine Belegexemplare! 🤩 Ich hatte völlig vergessen, dass da ja noch etwas kommen muss, nachdem der Vertrag unterschrieben und die Geschichte lektoriert war. 🤪 Ich habe mich sehr über die Überraschung gefreut und möchte das Buch schnellstmöglich lesen. Da gibt es nur ein kleines Problem … Ich lese aktuell schon drei Bücher. Da muss ich mich ranhalten, um wieder Kapazität neben dem Haushalt, meinem Autorenalltag und den vielen kleinen Aufgaben zwischendurch freizuschaufeln. 😄

Schreibupdate – 23.09.2020

In der vergangenen Woche ging es turbulent zu. Termine, Termine, Termine. Ein Wunder, dass ich es zwischendurch geschafft habe, mich an mein Projekt zu setzen. Entsprechend komme ich auch nur auf knapp drei Stunden Arbeitszeit. Es fühlt sich furchtbar an, das zu schreiben. Drei Stunden! An einem guten Tag schaffe ich das auf einmal. Aber ich konnte es mir nicht wirklich aussuchen. Manchmal gibt es solche Wochen und die Termine waren wichtig.

Trotzdem bin ich auch ein kleines bisschen stolz. Nicht auf die drei Stunden Arbeit, aber auf das, was ich seit Beginn der Überarbeitung geschafft habe. Es fehlen noch dreieinhalb Seiten des ersten Kapitels, dann geht es mit Kapitel 2 weiter. Das ist für mich besonders, weil das 1. Kapitel aktuell 44 Seiten lang und durch die Überarbeitung um gute 5.000 Worte angewachsen ist. Als ich 2018 den Roman plante, war ich unsicher, ob meine Idee genug Stoff für ein ungefähr 300 Seiten langes Buch liefern würde. Die User eines Schreibforums, in dem ich Mitglied bin, beruhigten mich. Eine Userin meinte damals sogar, dass ich je nach Herangehensweise genug Stoff für einen Zweiteiler hätte. Das war für mich damals so unrealistisch. Ich und ein Zweiteiler? Ich war doch froh, wenn ich ein „ordentliches“ Buch zustandebrächte. Ich setzte mir also rund 80.000 Worte für das gesamte Manuskript zum Ziel. Genug für ein „ordentliches“ Buch. Ich beendete es mit über 75.000 Worten, dachte mir damals aber schon, dass ich an manchen Stellen ausschmücken müsste, sodass ich mein Ziel sicher erreichen würde. Ich hätte damals nie gedacht, dass ich die fehlenden Worte schon im ersten Kapitel zusammenbekäme. Ich wusste zwar damals schon, dass ich zu minimalistisch schreibe, aber dass es in Romanen so „schlimm“ ist … Und damit ist es ja nicht erledigt. In Kapitel 1 habe ich nur eine einzelne Szene eingefügt. Ich weiß, dass ich in späteren Kapiteln viel mehr werde einfügen müssen.

Irgendwie freue ich mich schon darauf, obwohl ich innerlich mit den Füßen scharre und das Manuskript gerne bald an die Verlage schicken würde. Das passt nicht mit der Notwendigkeit neuer Szenen, die ich ja erst schreiben muss, überein. Aber genau so kenne ich mich. Meine Ungeduld und mein Perfektionismus stehen sich häufig gegenseitig im Weg. Vielleicht ist das auch gut so. Mal gewinnt der Perfektionismus, wie z. B. aktuell bei der Überarbeitung, und manchmal gewinnt die Ungeduld, sodass ich mich nicht in meinem Perfektionismus verliere. Ich zähle auf meine Ungeduld, dass sie mich zur rechten Zeit dazu bringt, mein Manuskript loszulassen.

Und jetzt … wird natürlich weitergearbeitet! Heute bin ich früh dran und nichts soll mich davon abhalten, konzentriert zu arbeiten. Ich will heute das 2. Kapitel beginnen!

Shortlist gestürmt!

Kaum zu glauben, aber The A-Files: Die Amazonen Akten haben es tatsächlich auf die Shortlist geschafft! Ich kann es kaum fassen, so sehr freue ich mich. In meinen Augen haben wir schon gewonnen, selbst wenn wir nicht auf dem ersten Platz landen sollten. Allein unter den ersten vier zu sein, ist ein Sieg.

Vielleicht fragst du dich jetzt: Vier? Richtig, normalerweise kommen nur die ersten drei Plätze weiter. Bei den Anthologien ist tatsächlich passiert, dass zwei Bücher so eng beisammen waren, dass sie beide für den dritten Platz weitergelassen wurden. Leider hüllen sich die Organisationen des Skoutz Awards in Schweigen, welche Titel betroffen waren. Umso spannender ist es, wie die endgültige Platzierung am Ende aussieht.

Alle Infos zu den Statistiken findest du direkt auf der Homepage des Skoutz Awards. Das mag nicht für jeden interessant sein, aber ich mochte es, wie die Wahl und die Wahlbeteiligung aufgedröselt wurde. Hat sich gut lesen lassen und ist ein toller Einblick hinter die Kulissen.

Demnächst geht es mit der Siegerwahl weiter. Dann wählen die Leser zum letzten Mal ihren Favoriten. Ich bin mir sicher, unsere Amazonen würden sich über den ersten Platz freuen. Wenn es soweit ist, gebe ich Bescheid, sodass du ihnen deine Stimme geben kannst.

Es wird also noch einmal sehr spannend. Wer wird den Preis für die beste Anthologie dieses Jahr gewinnen???

Schreibupdate – 16.09.2020

In der vergangenen Woche habe ich wieder nur knapp fünf Stunden überarbeitet, weil mir die Motivation fehlte, dafür aber sehr intensiv. Ich bin näher an meine Hauptfigur gerückt, habe seine Gefühle durchleuchtet und entsprechend einiges hinzufügen können. Aktuell schreibe ich an einer Szene, die bisher gar nicht existiert hat, weil ich wie im Zeitraffer nur die relevanten Handlungen beschrieb und ansonsten nur andeutete, was dazwischen passiert war. Was in dieser Szene wohl alles passieren wird? Auf jeden Fall mehr als nur das Pflügen eines Feldes!

Im Moment befinde ich mich auf Normseite 26 (abzüglich des Inhaltsverzeichnisses auf Seite 1) von ursprünglich 306. Durch die Ergänzungen ist das Manuskript mittlerweile auf 314 Normseiten angewachsen. Wenn ich betrachte, dass ich in der ursprünglichen Version erst auf Seite 20 wäre, entspricht das je nach Rechenweise einem Viertel, das ich jetzt mehr habe als zuvor. Wenn ich weiterhin so viel ergänze, erreiche ich womöglich wirklich die 400er Marke.

Auf der einen Seite würde ich mich über die hohe Seitenzahl freuen, allerdings bin ich unsicher, ob mein Roman sie wirklich braucht. Ich werde es erst wissen, wenn ich diesen Überarbeitungsdurchlauf beendet habe. Das wird noch eine ganze Weile dauern und ich finde das furchtbar, weil ich nicht gerne warte. Außerdem rückt der NaNoWriMo näher und obwohl ich nicht mehr daran teilnehmen wollte, ruft er nach mir und verlangt, dass ich meinen Weihnachtsroman schreiben soll. Ich versuche, die Ohren davor zu verschließen. Auch, weil ich meine Prinzipien habe. Bevor ich nicht die Überarbeitung dieses Romans und der Kurzgeschichte, die ich bis Ende November einreichen muss, erledigt habe, will ich kein neues Projekt beginnen. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass ich mehr Zeit in die Überarbeitung stecken muss, wenn ich vielleicht doch beim NaNo mitmachen will. Es überrascht mich, aber diese Aussicht motiviert mich unheimlich, obwohl ich der Meinung bin, dass ich das Arbeitspensum unmöglich durchhalten kann. Vielleicht überrasche ich mich ja selbst, indem ich das Pensum eben doch schaffe?

Zitat der Woche (KW 38/2020)

Das ist ein schwieriger Spruch. Wenn ich eine negative Bedeutung herauslesen will, heißt es für mich, dass Liebe nervt. Ok, das ist nichts Neues. Das gibt es durchaus, wenn die Liebe nicht erwidert wird oder der Partner gerade nicht so will wie man selbst. Wenn ich etwas Positives herauslesen will, steht da für mich, dass Liebe durch den Magen geht. Stimmt auch. Ich verbringe gerne Zeit mit meinem Mann und esse dabei etwas Gutes. Es lässt sich wirklich schön beim Essen reden, vor allem in einer entspannten Atmospäre. Ich bin unsicher, ob der gute Mann eines von beidem gemeint hat. Aber was wollte er dann damit ausdrücken? Hast du vielleicht eine Idee?

Leserückblick: Die Töchter von Ilian

Seit Anfang Mai gab es keinen Leserückblick mehr. Das lag nicht daran, dass ich nicht gelesen hätte. Ich brauchte schlichtweg vier Monate, um dieses Buch zu lesen. Zu den Gründen komme ich noch.

Letztes Jahr auf der Buchmesse – und das fühlt sich noch länger an, als es tatsächlich her ist – konnte ich Jenny-Mai Nuyens Lesung aus ihrem Roman Die Töchter von Ilian (ISBN: 978-3-596-29997-3, FISCHER Tor Verlag) besuchen. Mir gefiel, was ich hörte, sodass ich mir das Buch zum Geburtstag – fast ein Jahr später – schenken ließ. Darin geht es um eine Weissagung, laut der die verlorengegangenen, magischen Artefakte – die vier Iliaden – eines Tages wieder bei den Waldelfen vereint werden sollen, sodass das Reich Ilian wieder aufersteht. Der Waldelf Fayanu ist dazu ausersehen und Walgreta, eine Zwergin, soll ihm dabei helfen.

Von der Autorin habe ich schon zwei Romane gelesen. Die Geschichten von ihr sind fantasievoll und vom Handwerk her tadellos. Ich sehe Bilder, ich erkenne das Show darin, es lässt sich flüssig lesen. Die Kapitel sind sehr kurz gehalten, teilweise nur zwei Seiten lang, und werden von Absätzen unterteilt, wenn sie doch mal länger werden. Ideal, um schnell fünf Minuten zwischen zwei Aufgaben zu lesen, und sicher auch förderlich, um weiterzulesen, „weil man die zwei Seiten auch ruhig noch lesen kann, ach, und die drei auch, ja, und die vier gehen auch noch …“

Ich mochte die Figuren, obwohl es so viele sind, dass ich anfangs ernsthafte Probleme hatte, sie auseinanderzuhalten. Dabei hatte ich mehr Probleme, die Männer auseinander zu halten als die Frauen. Ein Blick ins Figurenregister sagt mir aber, dass es eine gute Mischung ist – 16 Frauen und 19 Männer, wenn ich mich nicht verzählt habe. Liegt vielleicht daran, dass es mehr männliche Perspektivträger gibt als weibliche, wobei es trotzdem ungefähr 50:50 aufgeteilt ist.

Das Buch ist etwas Besonderes, weil die Zwergin Walgreta von ihrem Verhalten her bisexuell zu sein scheint, während Fayanu eine Frau ist, die sich als Mann kleidet und auch so benimmt. Von Fayanu wird im Roman auch konsequent als er gesprochen. Außerdem ist er lesbisch. (Nagelt mich da nicht so fest, weil ich wenig Erfahrung mit dem Regenbogen und den korrekten Bezeichnungen habe. Ich bemühe mich zwar, mich weiterzubilden, aber das braucht gleich zwei Mal Zeit – zum Lesen und zum Merken.) Mir hat es richtig gut gefallen, dass diese zwei Hauptfiguren anders sind als das, was für mich normal ist. Die Autorin hat es echt klasse hinbekommen, dass diese Andersartigkeit total natürlich rüberkam. Da war kein Scheinwerferlicht auf die Beiden gerichtet, keine Leuchtreklame mit blinkenden Pfeilen auf sie, dass sie anders sind. Nö, sie verliebten sich ineinander und ich durfte sie dabei begleiten. Absolut unaufgeregt. Vermutlich, weil die Autorin keine Worte wie bisexuell, lesbisch etc. nutzte. Kein Vergleich zur Steinblüte, in der der gesamte Regenbogen gequetscht zu sein schien und mir deshalb nicht so zusagte.

Beim Lesen wurde mir sehr schnell klar, welche Ziele die einzelnen Figuren haben, oder ich vermutete, dass die vorgegebenen Ziele nicht unbedingt der Wahrheit entsprachen. Da gab es doch einige kleinere und größere Intrigen. Das machte es spannend und viele Handlungen, über die ich sonst den Kopf geschüttelt hätte, nachvollziehbar.

Die vier Iliaden – der blickende Becher, die flüsternde Flöte, die Sternenscheibe und das Kupferkleid – sind mächtige Artefakte, mit denen man in die Verganenheit sehen, die Tiere beherrschen, die Zukunft erkennen und über Menschen, Zwerge und Elfen herrschen kann. Sie sind mit viel Liebe zum Detail beschrieben. Ich mochte die Vorstellung, dass ihre Zauberkraft wächst, wenn man sie in Liebe und Vertrauen an jemanden verschenkt, dass sie ihre Kräfte langsam verlieren, wenn man sie zu lange behält, und dass sie ihre Macht vollständig verlieren, sollte man sie gewaltsam an sich bringen. Letzteres lässt sich rückgängig machen, wenn sie wieder verschenkt werden, und je länger die Kette des Schenkens ist, umso mächtiger ist das Artefakt. Diese vier Gegenstände können das Fundament eines friedlichen Beisammenseins sein. Es erfordert nur Vertrauen und Liebe. Wäre toll, wenn es das in der Realität gäbe, aber wenn ich ehrlich bin, glaube ich nicht daran, dass wir dazu fähig wären, der Bestimmung der Iliaden zu folgen und sie zu verschenken.

Ich fand auch die Welt toll. Sowohl vorne als auch hinten findet man die Karte der Welt. Die ist schön gestaltet und ich habe sie als Inspiration für einen meiner Romane für später abgeknipst. Die Landschaft wird von den Legenden der Völker gestaltet. So stammen die Zwerge von den Riesen ab, die in einem Krieg starben. Aber die letzte Riesin gebar vorher noch das Zwergenvolk und die Zwerge haben ihren versteinerten Leib zu ihrer Heimat gemacht. Tunnel durchziehen das Gebirge, das aus dem Körper der Riesin entstanden sein soll. Es gibt den sogenannten Wirbelweg, der wie eine Wirbelsäule aussieht und sich quer durch das Land zieht. Die abgeschirmte Welt der Waldelfen ist ein wahrgewordener Traum. Versteinerte Bäume, deren Wurzelwerk bläulich leuchten und in denen die Elfen wohnen. Unterjochte Lindwürmer, die das Wasser Ilians vom Rest der Welt trennen. Auf denen man fliegen kann und aus deren abgestreifter Haut die Waldelfen ihre Kleidung herstellen. Fantastisch.

Ich fing Anfang Mai damit an, den Roman zu lesen. Ich hatte wenig Zeit und aus einem mir unerfindlichen Grund wurde ich mit der Geschichte auch nicht richtig warm, sodass ich gleich doppelt Probleme hatte, voranzukommen. Als ich als junge Erwachsene die anderen beiden Romane der Autorin las, dachte ich, ich sei vielleicht noch nicht reif genug für ihre Geschichten, aber mit mittlerweile 35 Jahren glaube ich nicht mehr daran. Es ist unheimlich schade, aber ihre Bücher locken mich nicht so sehr, wie es die anderer Autoren tun. Da liegen wir wohl einfach nicht auf einer Wellenlänge, obwohl ich ihre Ideen toll finde, wie man am Loblied weiter oben erkennen kann. Es fehlt der letzte Funke. Es tut mir in der Seele weh, aber ich werde zukünftig keine ihrer Bücher mehr kaufen. Aber dir möchte ich raten, für dich zu prüfen, ob der Roman nicht einen Versuch wert wäre. Gerade weil er so viele tolle Aspekte hat, würde ich mich unheimlich freuen, wenn er noch einige Leser findet, die ihn lieben.

Schreibupdate – 09.09.2020

Die letzten Änderungsvorschläge für meinen Roman, der im Oktober erscheinen soll, sind getan. Es folgt noch einmal eine Korrekturrunde durch ein frisches Paar Augen und ich hibbel schon dem Cover entgegen. Der Vorschlag meiner Herausgeberin klingt klasse und ich würde unheimlich gerne das Ergebnis sehen. Wird noch ein Weilchen dauern, bis es mit meinem Hexenmeister weitergeht. Zeit, um mich wieder an meinen anderen Roman zu setzen, den ich möglichst bald den Verlagen anbieten will.

Innerhalb von drei Tagen habe ich fünf Stunden überarbeitet. Nicht viel, aber es kostete mich auch große Überwindung, mich an diese Arbeit zu wagen. Ich mag das Überarbeiten wirklich nicht. Noch weniger, da ich weiß, dass mein Drachenroman viele Ecken und Kanten hat – hauptsächlich, weil ich ziemlich harte Übergänge einbaute, weil ich meine Leser nicht mit Alltäglichem langweilen wollte, und weil ich mir generell schwertue, ins Detail zu gehen, sodass man nicht nur erlebt, was passiert, sondern auch versteht, wieso es passiert. Daran lässt sich arbeiten und eine meiner Testleser hat mir dazu auch ein paar sehr tolle Tipps gegeben, woran ich diese Stellen erkennen und wie ich sie verbessern kann.

Gestern Morgen war ich durch die Arbeit der letzten Tage bereits mitten in Kapitel zwei, aber es gefiel mir nicht. Obwohl ich ständig nach Stellen suchte, denen ich mehr Tiefe verleihen könnte, ergänzte ich höchstens hier oder da mal einen Satz. Das konnte doch nicht die Lösung für meinen spartanischen Stil sein! Es fühlte sich einfach falsch an. Es war keine richtige Überarbeitung. Ich fing von vorne an. Ich erkannte, dass ich es toll fände, wenn man mehr von dem Segen sehen würde, den der Druide herbeibeschwört, als wenn ich wie bisher damit einsteige, dass mein Protagonist den Druiden verabschiedet und ihm für seine Fürsprache bei der Göttin dankt. Daraus resultierten ein paar neue, kleinere Absätze und auch mehr direkte Kommunikation zwischen meinen Figuren, wo ich zuvor nur indirekte Rede nutzte. Allein durch diese kleine, und weil sie direkt vor den bereits geschriebenen Text kam auch einfache Änderung kann der Leser jetzt gleich mehr über das Volk und seine Götter lernen, wobei ich versucht habe, nicht mit Infos um mich zu werfen. Ich will niemanden damit erschlagen.

Ich erkannte, dass ich zum Zeitpunkt, als ich mich nach all der Planungszeit endlich an diesen Roman setzte und ihn schrieb, noch nicht richtig in der Geschichte drin war und dass ich sie erst kennenlernen musste. Und nach all der Zeit wusste ich zwar beim letzten Überarbeiten noch ungefähr, was passiert, aber ich war schon wieder nicht richtig drin und deshalb wohl auch nicht wirklich fähig, die Mängel zu erkennen. Das war ich auch nicht, als ich bei diesem Durchgang die ersten anderthalb Kapitel anhand der Kommentare meiner Testleser zu überarbeiten versuchte. Aber ich war es, als ich noch einmal von vorne begann. Irgendwas hat sich geändert, sodass ich jetzt viel mehr Handlung, Gedanken und Gefühle einfügen kann. Ich befinde mich jetzt wieder am Ende der fünften Seite des Romans, irgendwo ziemlich in der Mitte des ersten Kapitels. Allerdings glaube ich, dass ich bis zu diesem Punkt mindestens eine Seite Text eingefügt habe. Vielleicht werde ich später einiges wieder straffen müssen, aber jetzt weiß ich wenigstens besser, worum es geht. Da bin ich diesem einen Testleser sehr dankbar für seine beiden Tipps.

Nun habe ich Bammel, ob ich es bis zum Ende der Überarbeitung durchziehen kann, den Text dermaßen auszuschmücken. Ich hoffe jetzt schon, dass sich mein Stil in den nächsten Kapiteln bessert, weil ich dann in der Geschichte angekommen war, als ich sie schrieb. Vermutlich kommt es anders. Ich schätze, das wird eine harte Lektion, aber eine, die ich lernen muss, damit ich es in meinen kommenden Romanen hoffentlich besser machen kann.